Sven Wittekind – Fight for Techno
Das neuste Album aus dem Hause Wittekind stellt eine gelungene Compilation verschiedenster Techno-Stile dar. Von düsteren Melodien über treibende Vocal-Samples und melodischen Gitarren-Riffs, bis hin zu minimalistischem Geklimper und stampfenden Tribal- und Breakbeats ist alles vertreten. Trotz der Vielfalt an Styles, welche im Grunde unterschiedlicher nicht sein könnten, ist mit geringen Ausnahmen durchaus ein roter Faden zu erkennen, der sich durch die Tracksammlung zieht.
Den sanften Einstieg bietet das „Intro“, welches ausschliesslich auf der CD-Version enthalten ist. Das Intro fördert einem solidem Einstieg und ist der wohl am stärksten „abweichende“ Track des Albums. Fernab schneller Beats liefert Sven Wittekind eine durchaus gelungene, langsame und düstere Art des Technos. Für Anhänger des harten, stumpfen HardTechnos ist dieser Track wohl eher als Aperitif, ein Appetitanreger anzusehen.
Wem das Intro zu leicht war, der wird spätestens ab „Death Sentence“ voll auf seine Kosten kommen. Galoppierende Beats, monotone Klänge, rasselnde Bässe. Der längste Track des Albums, aber trotz geringer „Auf und Ab’s“ kommt keinesfalls langeweile auf. Wittekind hat durchaus geschafft, was viele versuchen: Minimaler HardTechno.
Darauf folgt „Evolution“, eine durchaus gelungene Zusammenstellung verschiedenster Klänge. Dieser Track beinhaltet alles, was das Technoherz begehrt: Stumpfe Melodien, harte Bässe, verschiedenste Muster an Beats, veriierende Geschwindigkeiten, minimales Glockenklingen, ein Auf und Ab der Gefühle. Jedem DJ, der diesen Track im Club auflegt, ist das Geschrei der tanzwütigen Crowd sicher. Die Töne fahren langsam immer höher, bis das Trommelfell zum Zerreissen gespannt ist, um dann schlagartig mit hämmernden, fast schon brachialen Beats das Publikum in Bewegung zu versetzen.
Weiter geht es mit „Voices in my head“, ebenfalls ein durchdringend stumpfer Bass, der schlagartig durch helles Glockenklingen durchbrochen wird, um dann in wilde Tribal-Klänge überzugehen und mit dem drücken des Subwoofers eine harmonisch-treibende Melodie zu bilden. Dieser Track ist sehr abwechslungsreich, da mehrere melodische Cuts eingebaut wurden, welche den Zuhörenden immerwieder kurz ausbremsen, um ihn dann mit doppelter Geschwindigkeit wie eine Saturn-Rakete in den Orbit zu schießen.
Der Anfang von „Bassface“ erinnert im ersten Moment leicht an das Intro und man erwartet einen melodischen Techno, doch weit gefehlt. Die Melodie fährt langsam herunter, als hätte man den Stecker gezogen, um dann in einen harten, drückenden Beat überzugehen. Zwischendurch erklingt immerwieder die Melodie, welche abrupt abfällt und den durchdringenden, stetig verändernden Bass in den Vordergrund zwängt.
„I told you“ erinnert leicht an verzerrte, satanistische SuperMario-Sounds, welche durch monotonen Bass untermauert werden. Es fixiert den ambitionierten Tanzteufel auf der Tanzfläche und beschränkt jeden einzelnen Gedankengang auf’s Tanzen. Die durchdringende Melodie schreit einen förmlich an: „I told you: DANCE!“.
Das herzstück des Albums ist ohne Frage der Track „Fight For Techno“, welcher direkten Wittekind-Erkennungswert besitzt. Vom kreischenden Tönen, über kristallklare Klänge verschiedener Melodischer Einlagen, bis hin zum raschelnden Bass überzeugt dieser Track und ist nicht ohne Grund der Namensgeber dieses Albums. Durchaus ein wohl durchdachtes Meisterwerk! HardTechno, so wie man ihn sich immer wünscht.
Der Beat von „Walk Alone“ erinnert an eine Dampflokomotive, und treibt auch mindestens genauso massiv voran. Unterbrochen wird dieser durch ein gekonnte Anreihung minimaler Töne, welche an vereinzelte Regentropfen erinnern, die dann langsam über ein leichtes Niseln, bis hin zu einem ausgewachsenen Schranz-Orkan heranwachsen. Kurz unterbrochen von einem leichten Sonnenschein, zieht sich dieser energiegeladene Sturm bis zum Ende durch und verspricht eine durchgehende Qualität an treibenden Bässen.
Düster geht es bei „Believe in yourself“ weiter. Der Anfang imponiert mit Wittekind-typischen monotonen, raschelnden Bässen, welche dann durch verschiedene Hupen-ähnlichen Geräuschen begleitet werden, bis eine tiefe Baseline den Feierwütigen in seinen Bann zieht. Leider ist diese Exkursion nur von kurzer Dauer und vom Bass untermalt verschwindet diese Baseline auch wieder so abrupt, wie sie erschienen ist.
„Bleepy Disto Beeps“ – Kein anderer Name wäre zutreffender für diesen Track. Wer ihn hört, bekommt sofort das Gefühl, in die Zeit vom Nintendo und Amiga zurückversetzt worden zu sein. Eine Geschickte Anordnung zweier „Beep“-Sampler und leicht wechselndem Bass. Jede weitere Erklärung könnte es nicht besser beschreiben.
In kooperation mit Oliver Tausend entstand der Track „We rock on Techno“, welcher wortwörtlich genommen werden sollte. Eine exzellente Mischung aus rockigem Schlagzeug und Gitarrenriffs, gemischt mit schönem, stumpfen HardTechno-Gehämmer. Das ganze dann noch künstlerisch mit Effekten verpackt et Voila: We rock on Techno!
Für den Tribal-Fan sollte „Most Wanted“ am ehesten in Frage kommen. Der Track hebt sich von seinen vorhrgängern auf dem Album leicht ab, da sich der gesamte Track auf tribal-ähnliche Klänge beschränkt. Zwar handelt es sich dabei immernoch um einen reinen HardTechno-Track, jedoch ist ein starker Hang zum Tribal Techno durchaus nicht ausser Acht zu lassen.
Wer auf minimalistisches Geklimper steht, der bekommt in „Insane the Brain“ sein Fett weg! Monoton, rauschend, hämmernd… Und immerwieder durch minimales Geklimper unterbrochen. Eine gelungene Mischung aus Hart und Ruhig. Aber wer jetzt einen „soften Technotrack“ erwartet, wird sein blaues Wunder erleben. Perfektes Zusammenspiel zwischen drückend und beflügelnd.
PRODIGY – Das ist das erste, das einem einfallen sollte, wenn man den Track „Mamoru“ einschaltet. Direkte Ähnlichkeiten zum „Invaders Must Die“ Album der englischen Kultband sind garantiert gewünscht, und durchaus gelungen! Dieser Track strotzt nur so vor Vocals, Breakbeats und durchgehenden, sirenen-ähnlichen Grundtönen. „Mamoru“ ist definitiv einer der energiegeladensten Tracks auf diesem Album. Diese Art von Techno ist auf jeden Fall Wittekind-untypisch, aber dennoch sehr gelungen.
Ein „standart Wittekind Schranz-Track“ hingegen ist „My Brain“. Dieser Track ist ebenfalls nicht auf Vinyl erhältlich und bietet eine durchgehend Monotone Baseline, stumpfen galoppierenden Bass, ein leises Tröten und beschränkt sich in seiner einzigartigkeit voll und ganz auf Effektspielereien des auflegenden DJs. Einfach immer nur geradeaus. Wer lediglich feiern will, ohne großartig von unerwarteten Klängen oder Breaks/Cuts abgelenkt zu werden, für den ist „My Brain“ genau das richtige.
Fazit:
In der Zusammenfassung ist zu erwähnen, dass Sven Wittekind meines Erachtens erneut durchaus ein gelungenes Gesamtkunstwerk geschaffen hat, welches seine treuen Fans in keinsterweise enttäuscht, und auch die Art von Zuhörern anspricht, welche nicht unbedingt auf den HardTechno-Zug aufspringen und mitfahren. „Fight for Techno“ zeigt wiedereinmal, wie unterschiedlich verschiedene Tracks des selben Genres ausfallen können und dass klare Grenzen kaum gegeben sind. Egal welche Richtung der elektronischen Musik bevorzugt wird, auf diesem Album sollte sich für jeden etwas finden lassen. Wer auf abwechslungsreiche Klänge ab 130bpm steht, für den geht kein Weg an diesem Album vorbei. Ein Must-Have für den wahren Fan des harten Technos!
Artist: Sven Wittekind
Albumname: Fight for Techno
Releasedate: 15.05.2009
Releaseformat: 3×12″, CD & Digital (mp3/wav)
Label: Inflicted Lp 001